Im Hörsaalgebäude der Philipps-Universität Marburg fand am 02.12.2011 eine Fachtagung zu den Zukunftsaussichten für Studierende im gymnasialen Lehramt statt.
Unter dem Titel „Getrübte Aussicht?“ konnte man einem interessanten, aber für Lehramtsanwärter auch ernüchternden, von Dr. Ulrich Vogel vom Zentrum für Lehrerbildung geleiteten, Expertengespräch zwischen Heike Grosser vom Staatlichen Schulamt Marburg-Biedenkopf, Martin Lüdecke vom Zentrum für Lehrerbildung, Michael Röhrig vom Studienseminar für Gymnasien in Marburg sowie der Schulleiterin Cornelie Seedig und der Studentin Anna Rauschenberg lauschen. In der Plenumsdiskussion wurden auch die restlichen anwesenden Studierenden und Interessierten einbezogen, sodass verschiedenste Fragen, bspw. zur derzeitigen Arbeitsmarktsituation, zur Einstellungspraxis und zu voraussagbaren Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, beantwortet werden konnten.
Anastasija Boskova vom Forum Lehramt, der Fachschaft für Lehramtsstudierende, stellte die entscheidende Frage, die wohl der großen Mehrheit der anwesenden Studierenden auf den Lippen brannte: „Ist für den Lehrerberuf Herzblut, Charakter, Persönlichkeit, Methodenrepertoire und Engagement nicht viel wichtiger als eine sehr gute Endnote oder die richtige Fächerkombination?“ Auch wenn viele Menschen diese Frage wohl klar bejahen würden scheint sich die hessische Landesregierung mit der Antwort nicht so sicher zu sein.
Die Zukunftsaussichten für Gymnasiallehrer könnte man sehr wohl als „getrübt“ bezeichnen. Obwohl die angekündigte Kürzung um 1000 Referendariatsstellen teilweise zurückgenommen wurde, werden, da man die Bezugsgröße von Schülern pro Lehrer angehoben hat, trotzdem weniger Lehrer eingestellt als es früher der Fall war. Martin Lüdecke vom Zentrum für Lehrerbildung sagte, dass in der nächsten Einstellungsperiode allein die fertigen Absolventen der Phillips-Universität Marburg den Bedarf an offenen Referendariatsstellen in Hessen mehr als ausfüllen könnten. Leider gibt es in Hessen aber neben Marburg noch vier weitere Universitäten, die Gymnasiallehrer ausbilden. 
Das Ministerium argumentiert mit der sinkenden Zahl der Schüler in Hessen. Ab 2013 würden demnach jährlich etwa zehn Prozent weniger Lehrer gebraucht. Diese Argumentation scheint aber zu kurz gedacht. Es stimmt zwar, dass angesichts der demographischen Entwicklung zurückgehende Schülerzahlen zu erwarten sind. Trotzdem sollte dies keinesfalls mit einer Kürzung von Lehrkräften einhergehen. Das Verhältnis von Schülern pro Lehrkraft ist in Deutschland, im Vergleich zu anderen Ländern – insbesondere den Nationen Nordeuropas, die in Bildungsstudien regelmäßig Bestnoten erzielen – mangelhaft. Ohne Frage sollte man daher, trotz sinkender Schülerzahlen, mehr Lehrkräfte einstellen. Kürzungen an der Bildung sind immer falsch.
Von: Felix Schneider